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Was der Kunde will!!

innovationstag mittelstand berlin 2008Der 15. Innovationstag des Mittelstandes in Berlin gibt mal wieder Anlass über wesentliche Erfolgsfaktoren von Innovationen nachzudenken: Angesichts der breiten Palette von technologischen Entwicklungen, die meist durch Prototypen sehr anschaulich präsentiert wurden, stellt sich die Frage: “Und wie wird das alles umgesetzt? Wie in den Markt eingeführt?” Und damit sind wir direkt dran an einem der Hauptkritikpunkte deutscher Innovationsbemühungen: Technik ist toll – Markteinführung mangelhaft!

Befragt nach seiner Einschätzung zum wichtigsten Erfolgsfaktor bei der Umsetzung von Innovationen sagt Klaus-Peter Priebe, Managing Director von LTi ADATURB GmbH aus Dortmund und langjähriger Technologietransfermanager: „Was der Kunde will!“.

Also konsequent die Kundenorientierung im Blick behalten – das gilt für Dienstleister ebenso wie für wissenschaftliche Einrichtungen rund um Innovationen. Eigentlich eine profane Einsicht sollte man meinen – und mit Sicherheit nimmt jede/r Beteiligte beste Kundenorientierung für sich in Anspruch. Der Teufel liegt jedoch im Detail: Ist tatsächlich gleich eine kompetente Ansprechpartnerin am Telefon, wenn das Unternehmen anruft, mit dem man gerade ein Projekt bearbeitet? Ist jemand zur Stelle, wenn es in der kritischen Phase der Einführung im Unternehmen kriselt oder werden gerade dann die (sicherlich verdienten und laut TvöD zugesicherten) Urlaubstage an der Universität in Anspruch genommen? Versteht die externe Projektleitung wirklich, welche Zeituhr im Unternehmen tickert, und dass jede Verzögerung in der Produktion pures Geld bedeutet?

Wenn wir dafür nur halb soviel „Blick“ hätten wir für die Technik!!!

Das Risiko, Folge II

Auf die Diskussion um das Risiko muss ich jetzt noch einen drauf setzen:

Was tun, wenn die grundlegende Einstellung, Risiko bewusst als logischen Teil einer jeden Veränderung oder Neuerung zu sehen, kaum vorhanden ist? Wenn versucht wird, dem Risiko so lange mit Auflagen zu begegnen, um es zu minimieren, bis das ganze Vorhaben in sich bewegungsunfähig geworden ist??

Da hilft wohl nur einmal tief durchatmen, sich auf das eigentliche Ziel und den direktesten Weg zurück zu besinnen und mit neuen Energien störende (und betreffend Förderung teilweise verlockende) Einflüsse auszublenden. Man kommt damit unter Umständen schneller ans Ziel!

Innovation heißt Investition und damit Risiko

Innovationen bedeuten Risiko: Zu Beginn ist (fast) alles unsicher, inklusive der persönlichen Existenz der Unternehmer/innen. Da helfen auch die besten Fördermöglichkeiten nicht drüber hinweg – im Gegenteil: sind sie zu leicht zu erhalten, wird den tatsächlich vorhandenen Risiken weniger ins Auge geschaut und damit weniger verantwortlich Gegenstrategien entwickelt.

Kein Wunder also, dass Geldgeber sich gerne selber ein Bild von dem damit verbundenen Risiko machen wollen. Nur: wer kann sich wirklich ein Bild von Dingen machen, die es selber noch gar nicht gibt, für die vielleicht auch die Märkte Zukunftsmusik sind? Und ist nicht die Person darin bereits Experte, die sich mit aller Energie bereits seit Monaten und Jahren damit beschäftigt?

Zum Teufel also mit Markt-, Produkt- und Technologieeinschätzungen?

Macht macht viel, kann aber wenig, oder?

Konkrete Situation: Ein Geschäftsführer hatte genau im Blick, welche Stelle der internen Abläufe der Firma “verbesserungsfähig” waren und beauftragte eine externe Firma mit der Behebung des Problems in Form eines Softwarezusatzmoduls. Schon bald begann der Einführungsprozess zu stocken: Experten aus der eigenen Firma, die dem Prozess fachlich viel näher standen erhoben Widerspruch gegen die von der Geschäftsführung an die externe Firma weitergegebenen Rahmendaten – „diese träfen das Problem nicht auf den Kopf.“ Zusätzlich kannte sich intern niemand mit den Feinheiten von Softwareprogrammierung aus. Das Resultat: Irgendwann ging gar nichts mehr. Erst der interne Einsatz eines Informatikers, der es verstand mit den entsprechenden Leuten in der Firma zu sprechen, die geeigneten Informationen an die externen Programmierer weiter gab und schließlich die Einführung vorbereitete brachte wieder Bewegung in den Prozess.

Was hätte man gleich von Anfang an anders machen können?

Machtpromotoren alleine können wenig ausrichten, ihnen fehlt das Handwerkszeug eine Innovation funktionstüchtig umzusetzen. Und nur eine funktionstüchtige Innovation überzeugt dann auch die Zweifler. Von Anfang an hätte der Blick auf dem parallelen Aufbau eines geeigneten Fachpromotoren liegen müssen, der „gestützt“ von der Geschäftsleitung für die geeigneten Informationen und die fachliche Diskussion mit den internen Prozessexperten sorgt

Vernetzung für alle? Schön wär’s!

Dass das Internet Wirtschaftsprozesse beschleunigt kann inzwischen als allgemein anerkannte Wahrheit angenommen werden. Dass ein hoher Grad an Vernetzung ein höheres Maß an Innovationen hervorbringt stellt seit Phänomenen wie das Silicon Valley auch kaum noch jemand in Frage.
Auch in Deutschland ist diese Erkenntnis angekommen: schließlich dreht sich ein guter Teil der Diskussion um Cluster. Aber wir wollen das Maß ja nicht gleich so hoch hängen: Es muss nicht immer etwas weltbewegend Neues sein, Wir geben uns schon mit der Schaffung neuer Arbeitsplätze zufrieden.

Fazit: Als Spieler in der globalen Ökonomie ist ganz Deutschland besetzt von Internetzugängen höchster Qualität. Ganz Deutschland? Nein! Mit größter Anstrengung scheinen sich ganze Landstriche der Grundlage der vernetzten Wissensgesellschaft widersetzen zu wollen. Der www.breitbandatlas-brandenburg.de will, wie der Name schon sagt, Breitbandzugänge als Voraussetzung vernetzten wirtschaftlichen Handelns in Brandenburg durchsetzen – werden sie damit erfolgreich sein??

Zusammen sind wir stark - die Rolle von Promotoren im Innovationsprozess

Eigentlich war die Erkenntnis schon im Vorfeld klar: Innovationsvorhaben brauchen auf jeden Fall fachlich kompetente Menschen, die das Vorhaben mit all ihrem fachlichen Wissen weitertreiben (Fachpromotoren). Diese Fachpromotoren stehen aber teilweise allein auf weiter Flur, wenn ihnen die politische Unterstützung (Machtpromotoren) im Unternehmen fehlt. Ganz schlecht für die Innovation, tödlich, wenn dann auch noch Opposition am Horizont aufzieht.

Die beste Kombination nach Scholl ist die aus mindestens einem Fach- und einem Machpromotor. Der Machtpromotor ist dafür zuständig, dass der Innovationsprozess als offener Diskussions- und Erprobungsprozess gestaltet wird, hängt er sich zu sehr fachlich an eine Idee, besteht die Gefahr, dass er sich wie ein Elefant im Porzellanladen verhält: Er produziert nichts als Scherben aus unterdrückten kritischen Meinungen, unberücksichtigten Einwänden, eingleisige Sichtweisen.

Der Machtpromotor ist also nur zuständig für den Dialog mit anderen Beteiligten.