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Informationen in Innovationsprozessen in der Praxis

Das mit der Rolle von Informationen bei Wolfgang Scholl hat mich dann doch beschäftigt. Ich habe mich mal nach Beispielen umgeschaut.

Da ist ein Produktionsunternehmen, das zunehmend Produkte mit Variantenvielfalt herstellt. Das heißt u.a. variierende Stücklisten, neue Anforderungen an Bestellung und Lagerung. Dazu soll zum bestehenden System der Produktionsplanung ein Modul hinzuprogrammiert werden, das mit der Eintragung der Stücklisten den Bestellbedarf direkt an den Einkauf weiterleitet. Heißt aber auch: Da muss sich jemand angewöhnen, den Teilebedarf direkt in das Programm einzutragen anstatt wie vorher eine ausgedruckte Excelliste einfach an die Produktion weiterzugeben, also den eingetretenen Pfad im Arbeitsprozess verlassen – immer schwierig! Und was passiert??

An die Programmierer wird die Botschaft weitergegeben, das Eingabefeld für die Stücklisten sei im bisherigen Programm nicht zu orten, das programmierte Modul also nicht funktionsfähig!!! Ein Beispiel dafür, dass Informationen zwar beschaffbar sind, aber nicht beschafft werden.

Sackgasse! Oder doch nicht?

Für mich wird deutlich: Informationspathologien sind eher Symptome, dahinter liegt zum Beispiel, dass man seine Gewohnheiten nicht verändern will, es geht ja auch so - irgendwie. Alle „willigen“ also (unausgesprochen) in das „Nichtproduzieren von Information“ ein, im gemeinsamen (unausgesprochenen) Einverständnis, dass man sich selbstverständlich gegenseitig Unannehmlichkeiten erspart.

Und was heißt das für den „schlauen Innovationsmanager“?

Symptome aufspüren und diese dann aufdecken? Schwierig, wenn man auch noch selber im Unternehmen eingebunden ist und immerhin einiges zu verlieren hat (an Annehmlichkeiten). Zumindest die „Antennen“ sollten ausgefahren sein: Wo fangen wir an, Dinge bewusst zurecht zu biegen? Wo halten wir Dinge bewusst zurück? Man kann ja mal mit den Kollegen und Kolleginnen bei einer Tasse Kaffee darüber sinnieren…

Innovation und Information

Scholl, Innovation und InformaitonScholl, Wolfgang (2004): Innovation und Information – Wie in Unternehmen neues Wissen produziert wird; Hogrefe, Göttingen

Jetzt habe ich von mehreren Seiten davon gehört: Prof. Wolfgang Scholl hat etwas zu sagen zum Thema Innovation (s. berlinwes vom 27.03.2008). Darauf hin habe ich mir das Buch von ihm mal näher angeschaut. Und wirklich, es enthält an den verschiedensten Stellen Erkenntnisse zu Innovationsprozessen, wie ich sie selber immer wieder in Unternehmen und Organisationen erlebe – nur eben unsortierter. Da kann ein Abgleich des Erfahrungswissens mit der Literatur nicht schaden.

Leider hat das Buch den Nachteil, dass es diese wertvollen Denkanstöße für den oder die Praktikerin zwischen Blöcken und Tabellen von Untersuchungsdaten versteckt. Ich möchte deswegen zu einem Leserundgang Kapitel für Kapitel einladen. Sie können mir dabei hier bei synexa weekly in den nächsten Wochen über die Schulter schauen.

Kerngedanke des Buches (zumindest in den ersten beiden Kapiteln) sind „Informationspathologien“, das heißt entscheidungsrelevante Informationen die

  • produzierbar sind, aber nicht produziert werden.
  • vorhanden sind aber nicht (korrekt) übermittelt werden.
  • die beschaffbar sind, aber nicht beschafft werden.
  • die vorliegen aber nicht (korrekt) verarbeitet werden.

(Quelle: Scholl, S. 27)

Klingt bekannt, oder? Gleichzeitig fragt man sich: „Ja, sehen das die Beteiligten nicht, dass hier frei erfunden, hingeschliffen und passend gefeilt wird??“

Anscheinend nicht. Konkret heißt das Fazit der Untersuchung: Der gravierendste Fehler, der zu misslungenen Innovationen führt ist das Herunterspielen von Risiken – und alles was sich darum herum ansammelt: einseitige Machtausübung, keine freie Meinungsäußerung und ähnliches.

Was heißt das nun konkret für den „schlauen Innovationsmanager“?

Scheinbar brauchen Innovationen zu ihrem Gelingen immer mal wieder frischen Gedankenwind von außen. Da heißt es also die Balance finden zwischen Phasen eingegrenzter Kommunikation (Konzentration auf die Weiterentwicklung) und der Erweiterung durch neue Sichtweisen (Abwägen und Entscheiden). Und „Phasen“ wechseln sich in der Regel ab ;-)