Forsetzung des Experteninterviews mit Hendrik Send, Institut of Electronic Business (IEB) zu Open Innovation für KMU:
Man hört ja von verschiedenen Beispielen: IBM, Lego, etc. - ist Open Innovation auch relevant für kleine und mittlere Unternehmen, die nicht über große finanzielle Ressourcen verfügen, um z.B. eine ganze online-Community zur Produktentwicklung zu betreiben?
Oliver Gassmann, ein prominenter Vertreter und Erforscher von Open Innovation an der Uni St. Gallen, sieht genau deswegen KMUs prädestiniert für Open Innovation, weil sie zumeist nicht über eine große Entwicklungsabteilung verfügen. Gerade in KMUs sind Entwicklungsprozesse viel flexibler steuerbar als in einem Großunternehmen und daher werden hier oft „intuitiv“ schon Ideen von außen oder Netzwerke genutzt ohne die große Überschrift Open Innovation.
Was sind die Aspekte, die kleine und mittlere Unternehmen von “Open Innovation” lernen können? gibt es da konkrete Beispiele von kleinen oder mittleren Unternehmen, die “Open Innovation” praktizieren?
Im Sinne von Henry Chesbrough ist jedes KMU, das sich an gemeinsamen Forschungsinitiative wie z.B. eurostars (http://www.eurostars-eureka.eu/) teilnimmt schon im Sinne von Open Innovation aktiv. Viele KMUs wie beispielsweise Autoteilezulieferer kommen gar nicht umhin, sehr eng mit ihren Abnehmern zusammenzuarbeiten, weil sie kein neues Produkt in den Markt „drücken“ können.
Ein Beispiel für Open Innovation, das im Zusammenhang mit KMUs zitiert wird, ist die Entwicklung vom Kite-Surfing. Bei der Entwicklung des komplexen Produktes (Brett und Segel) für die Sportart sind tiefe Kenntnisse einer Menge von Bereichen wie Flugeigenschaften, Material, Praxiswissen über den Einsatz, Design etc. notwendig. Die oft kleinen Hersteller des Sportgeräts können sich keine große Entwicklungsabteilung leisten und greifen daher auf das Wissen ihrer Kunden zu. Inzwischen hat sich die Nutzerinnovation zu einer globalen Trendsportart entwickelt. Lernen kann man hier die radikale Hinwendung zu den Bedürfnissen und Ideen der eigenen Kunden.
Ein Tipp in einem Satz?
Bei Open Innovation geht es vor allen Dingen darum, Chancen für Wettbewerbsvorteile zu nutzen, fast alle KMUs stehen früher oder später unter Wettbewerbsdruck - darum gehört das Thema auf die Agenda und sollte strategisch verfolgt werden – besonders bei Produktentwicklung.
Vielen Dank für das Interview!
Jetzt wollen wir es aber wissen: Welche deutschen KMU betreiben “Open Innovation” oder haben Elemente davon bei sich integriert? Wir machen uns auf die Suche - und sind gespannt!
Tags: Prozesse, Steuerung, synexa Ticker by Andrea Rohrberg
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