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Woher, wohin mit der Creative Industry?

Wo ist sie eigentlich, die „Branche“ der Kultur- und Kreativwirtschaft? Wenn man sich die in der Definition enthaltenen Unternehmen im Kulturwirtschaftsbericht der Bundesregierung von 2009 anschaut, dann merkt man schnell, dass man permanent mit Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft zu tun hat – diese nur bewusst nicht in diese Ecke gesteckt hat. Der Drucker für die Visitenkarten, die Werbeagentur für den neuen Logoentwurf. Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft also Unternehmen wie jedes andere?

Wohl nicht ganz. Auch wenn jede Branchendefinition immer wieder ein Zahlenexperiment ist, gibt es doch im Kern eigene Spielregeln und Dynamiken, die sich von anderen Branchen unterscheiden. So auch in der Kultur- und Kreativwirtschaft.

Konferenz Überleben in den Creative IndustriesEin Thema ist hier das Überleben (s. Konferenz „Überleben in den Creative Industries, November 2009, Prater, Berlin). Oder Überlebensstrategien? Spitze Zungen könnten behaupten „Darum geht es in der Automobilindustrie auch!“ Die Frage ist nur: Wer von beiden ist zukunftsorientierter? Und da braucht die Kultur- und Kreativwirtschaft den Vergleich nicht zu scheuen. Das Bewusstsein für die Zukunftsfelder dieser Branche scheint sich aber gerade erst zu entwickeln. Innerhalb und außerhalb der Kultur- und Kreativwirtschaft.

Sind wir also gespannt, welche Strategien, Herangehensweisen und auch welche Sprache sich bei der Erschließung der Zukunft weiter entwickeln werden.

Auf jeden Fall ist spürbar: Das Feld ist auf dem Weg zu einem neuen Selbstbewusstsein – und das ist gut so.

Schwaerme schnattern intelligent

Peter GloorPeter Gloor, Center for Collective Intelligence (MIT) räumt kräftig auf mit der Vorstellung von einsamen Erfinder mit Starallüren. Das Gegenteil ist der Fall: „Don’t be a star, be a galaxy“, d.h. erfolgreiche Ideengeber kommunizieren in einem Netzwerk, in dem auch die einzelnen Mitglieder untereinander in Kontakt und Austausch stehen. Eine Position im Zentrum, in der alle Kommunikation nur über eine Person läuft führt selten zum Innovationserfolg.

Ein springender Punkt im Innovationsprozess: die Demut des Erfinders. Sobald die eigene Idee um sich greift und sich ausbreitet, sich zurückziehen und sie anderen überlassen. Beispiele dafür sind Benjamin Franklin und sein Ofen, auf dessen Patentierung er verzichtet hat und damit für die damalige Zeit erstaunliche Verbreitung erlangt hat. Ein moderneres Beispiel ist Linus Thorvald mit dem Betriebssystem Linux.

„Damit ist kein Geld zu verdienen!“ so vielleicht der Einwand des ein oder anderen. Über den reinen Verkauf des Produktes nicht. Zeit also für neue Business Modelle wie z. B. den Service rund um die Idee.

Virtuelle-visuelle-digitale Kreativitaet: Wege zur Akzeptanz, Etablierung und Foerderung digitaler Kreativitaet

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Kreativität und Innovation? ein erster Versuch (ohne sich in theoretischen Exkursen zu verlieren): Innovation ist dann eine Innovation, wenn die Idee ihre konkrete Anwendung erreicht hat. Kreativität ist  das Finden neuer Lösungen. Kreativität selber kommt an verschiedensten Stellen des Innovationsprozesses zum Einsatz, der gesamte Innovationsprozess ist aber nicht unbedingt immer kreativ.Kribbeln im Kopf

Und welche Rolle spielen digitale Medien dabei? Medien sind Werkzeuge der Kreativität. Sie ermöglichen neue Zugänge zu Ideen, neue Anregungen auf der Lösungssuche zu bestimmten Problemstellungen.

Das würde dann also heißen: Um eine erweiterte Innovationskultur (z. B. im Unternehmen) zu schaffen, bedarf es der Medienkompetenz der Mitarbeitenden und Geschäftsführungen, damit sie diese (neuen) Werkzeuge auch für den Innovationsprozess nutzen können. Also gut, packen wir es an…

Buchtipp: Kribbeln im Kopf von Mario Pricken

Auf nach St. Virgil zur Konferenz E-Creativity und E-Innovation

Zwei Tage vor mir, in denen ich Erkenntnisse und Ideen zur Rolle von Neuen Medien in Innovationsprozessen hautnah miterleben kann. Die 5. EduMedia Fachtagung öffnet heute ihre (nicht nur digitalen) Pforten.

edumediaUnd so habe auch ich mich zu einem (für mich neuen) Experiment entschieden: Ich werde versuchen (fast synchron) zu den einzelnen Inhalten und Erkenntnissen der Konferenz mit zu bloggen. So kann vielleicht der/die ein oder andere Teile der Konferenz virtuell und etwas zeitverzögert mit verfolgen. Natürlich subjektiv gefärbt, um Objektivität will ich mich gar nicht erst bemühen.

Was mich wie immer am meisten interessiert ist der Austausch rund um Innovationsprozesse und vor allem konkrete Anwendungen und Methoden. Da ist mir gleiche die erste Leitfrage ins Auge gefallen: Wie beeinflusst das partizipative Internet (Web 2.0) die Generierung neuen Wissens und wie verändern sich Kreativitäts- und Innovationsprozesse?
Ist das nicht die Diskussion rund um „Open Innovation“? Zumindest für einen Teil.  Gespannt bin ich da auf konkrete Anwendungsszenarien in kleinen und mittleren Unternehmen.

Und noch eine der Leitfragen hat mein Interesse geweckt: Welche digitalen Werkzeuge und welche physische Umgebung fördern Kreativität und Innovationskompetenz in besonderer Weise?
Das hört sich fast so an, als ob Kreativität und Innovation ein Synonym sind?! Ok. Kreativität ist die wesentliche Quelle  für (neue) Ideen. Gehört zu Innovation, also die am Markt erfolgreiche Dienstleistung und das Produkt nicht mehr dazu?

Soviel zum Vorspann. Bis dann in St. Virgil…

WissensWert Blog Carnival Nr. 3: …bis dann in facebook

Was passiert, wenn sogenannte „Digital Natives“ – die mit den digitalen Medien und dem Internet Aufgewachsenen, auf die Arbeitswelt im Unternehmen treffen? Diese Frage stellen die Autoren Andrea Back und Matthias Rohs im WissensWert Blog und starten damit das 3. Blog Carnival (was auch immer das ist, irgendetwas wie eine Sammlung von thematischen Blogbeiträgen).

Meine Antwort: Es entstehen Irritation, auf beiden Seiten, und das ist gut so. Die Irritation zeigt sich oft in Abstimmungsprozessen, so zumindest meine Erfahrung.

Der intuitive Umgang mit den unterschiedlichsten Kanälen der Kommunikation, mal SMS, mal über die Community wie facebook oder xing usw. wird auch ins Arbeitsleben hinein genommen. Entscheidung ist aber zunächst mal dem Management vorbehalten. Spannend also, wenn schon wenige Stunden nach einem Meeting ein Teil der Meinungsbildung virtuell abgeschlossen ist, der Rest, sprich die teilweise ältere Führungsebene, sich aber erst im Laufe der nächsten Tage über Mail und Telefon mit einklinkt.

Durch Irritationen kommen aber auch Veränderungen in Gang. Digital Natives also als Chance für die Erneuerung der Unternehmenskultur. Eines aber muss wohl von den Angehörigen beider Pole mitgebracht werden: Geduld. Das ist die Herausforderung für die an lichtschnelle Bits gewöhnten Eingeborenen ebenso wie für erfahrungsschwangere face-to-face Netzwerker.

Ich selbst zähle mich übrigens zu den Bewohnern auf der Zwischeninsel: aufgewachsen mit Papier und dann fasziniert von der digitalen Welt diese zu einem Großteil zum Beruf gemacht. Hier auf der Insel ist übrigens auch noch genug Platz…

Wissen, in was man nicht gut ist!

Genau das scheint vor allem kleinen und mittleren Unternehmen häufig schwer zu fallen. Natürlich ist man hier schneller am Rechnen, wievel Geld man einspart, wenn man z. B. das Marketing eines neuen Produktes doch lieber selber entwirft. Was dabei herauskommt ist selten vertrauenserweckend.

Ich glaube, dass in Innovationsprozessen genau diese Stelle, “das Wissen um die eigenen Grenzen”, essentiell ist. Wann ziehe ich mich als Geschäftsführung zurück und überlasse das Feld meinem Team mit seinen speziellen Kompetenzen? Wann kaufe ich mir von außen noch weitere Kompetenzen dazu, mit dem Wissen, dass es langfristig schneller zum Erfolg führt als eine hangestrickte Lösung?

Venture VoiceDiese Erkenntnisse lassen sich auch nachhören in einem, wie ich finde hervorragenden Podcast von Gregory Galant in Ventur Voice: #54 - Tim Westergreen of Pandora, ein Interview mit dem Gründer des Internetradios “pandora“. Auf der Webseite finden sich eine Vielzahl von Interviews - Lernen von den Erfahrungen anderer ist hier garantiert!

Abgehaengt oder angestachelt?

Bewegen wir uns etwas weg von Pod- und Videocasts hin zu herkömmlichen Medien: Im Deutschlandfunk wird morgen eine Sendung unter o. g. Titel zu hören sein, die sich dem Problem des Wissens- und Technolgietransfers widmet. Wie können die oft exzellenten Ergebnisse aus deutschen Forschungseinrichtungen in handfeste Produkte und damit in Umsatz verwandelt werden?

Wer auf etwas aufmerksam machen will vergibt einen Preis: „Hoch dotierte Auszeichnungen wie der „Deutsche Zukunftspreis des Bundespräsidenten“ sollten viel versprechende Erfindungen in das Licht der Öffentlichkeit rücken.“

Mal ehrlich: Behebt das wirklich das, woran die Umsetzung in marktfähige Produkte bislang scheitert?? Meiner Ansicht nach fehlt es an ganz anderer Stelle: Den Mut einzelner, den Sprung in die Selbständigkeit zu wagen. Die Vision einzelner, mit einer Idee handfeste Märkte erobern zu können. Und vor allem der Wille, dem Wettbewerb mit permanentem Lernen und Verändern, dem Inhalieren und verarbeiten neuer Informationen, stand zu halten.

Wo sind dazu im Land die Vorbilder? Sollte man nicht lieber das „Preisbudget“ an dieser Stelle aufstocken? Wir sind gespannt, was die Sendung dazu zu sagen hat!

Innovationen durch das Web

Bleiben wir noch mal in Amerika: im McKinsey Quaterly bin ich auf einen Videocast gestoßen, in dem sich Hal Varian, Chef Ökonom bei google, über das Potenzial des Web für Innovationen auslässt.

Hal Varian, McKinsey QuarterlyDie Einleitung hat zunächst ein paar spannende Sichtweisen auf Innovationen parat: Hat man sich bisher Gedanken darüber gemacht, wie man die Leute zur Arbeit bekommt (Infrastruktur, Mobilität, etc.) dreht sich das Ganze heute um. “Die Arbeit geht zu Dir” - über mobile Übertragungstechnologien, Datennetzwerke, etc. entstehen ganz neue Situationen, die wiederum neue Dienstleistungen erforden. Dementsprechend sieht Varian die größten Innovationsimpulse darin, “wie die Arbeit getan wird”.

Das ist ein großer Brocken wenn man sich mal vor Augen führt, wie man tagtäglich selber technischen Neuerungen hinterherhechelt, wie da dann auch noch die Nase vorn haben?!

OK - Konzentration auf einen Teilaspekt. Das macht Varian dann auch im zweiten Teil seines Artikel und stellt die google-spezifische Verknüpfung von Werbeanzeigen, den sog. “google Adds” vor. Das ist zwar alles ziemlich komplex und wenn man auf das Budget dahinter schaut, auch erst mal nicht nachahmungsverdächtig. Eine rage allerdings bleibt bei mir im Kopf: Sollten wir in Deutschland nicht doch mal langsam etwas mehr innovative Geschäftsmodelle in den Fokus nehmen als uns allzusehr einzig auf die Entwicklung innovativer Technologien zu beschränken?