Entries Tagged as 'Prozesse'

Schwaerme schnattern intelligent

Peter GloorPeter Gloor, Center for Collective Intelligence (MIT) räumt kräftig auf mit der Vorstellung von einsamen Erfinder mit Starallüren. Das Gegenteil ist der Fall: „Don’t be a star, be a galaxy“, d.h. erfolgreiche Ideengeber kommunizieren in einem Netzwerk, in dem auch die einzelnen Mitglieder untereinander in Kontakt und Austausch stehen. Eine Position im Zentrum, in der alle Kommunikation nur über eine Person läuft führt selten zum Innovationserfolg.

Ein springender Punkt im Innovationsprozess: die Demut des Erfinders. Sobald die eigene Idee um sich greift und sich ausbreitet, sich zurückziehen und sie anderen überlassen. Beispiele dafür sind Benjamin Franklin und sein Ofen, auf dessen Patentierung er verzichtet hat und damit für die damalige Zeit erstaunliche Verbreitung erlangt hat. Ein moderneres Beispiel ist Linus Thorvald mit dem Betriebssystem Linux.

„Damit ist kein Geld zu verdienen!“ so vielleicht der Einwand des ein oder anderen. Über den reinen Verkauf des Produktes nicht. Zeit also für neue Business Modelle wie z. B. den Service rund um die Idee.

Wenn kein Bewertungsschema mehr passt

Das ist der Punkt, an dem meiner Ansicht nach viele innovative Ansätze im Unternehmen (oder auch bei anderen Gegebenheiten) wieder in der Schublade verschwinden. Wenn die bisher verwendeten Bewertungsschemata nicht mehr greifen sind innovative Ideen besonders verwundbar: Wer verfolgt eine Idee schon gerne weiter, wenn auf den Gesichtern der Kolleginnen und Kollegen deutlich zu sehen ist, dass man bestenfalls für verrückt, schlimmstenfalls für eine Gefahr gehalten wird?

Markus PeschlGenau an diesem Punkt entstehen aber auch die radikalen Innovationen: Der bisherige Bezugsrahmen wird verlassen, die eigenen Annahmen selber in Frage gestellt und auf diesem Wege schließlich verändert. So zumindest Markus Peschl in seiner Key-Note der 5. EduMedia Fachkonferenz in Salzburg von der Universität Wien. Dieses “Thinking out of the box” ist ein sozialer und sehr kommunikativer Prozess, der von gegenseitigem Feedback lebt.

Die Schwierigkeit m.E.: Das löst Irritationen im Unternehmen aus, und das ist in der Regel nicht gewünscht. Hält ab von effektiven Abläufen. Stimmt. Also einen extra Raum schaffen im Unternehmen für Querdenken? Das ist ein bewusster Akt und entsteht nicht einfach im Arbeitsalltag.

Es sei aber auch gesagt: Die Idee muss immer noch im Unternehmen anschlussfähig bleiben. Manchmal ist es sinnvoller den Weg einer Ausgründung einzuschlagen.

Virtuelle-visuelle-digitale Kreativitaet: Wege zur Akzeptanz, Etablierung und Foerderung digitaler Kreativitaet

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Kreativität und Innovation? ein erster Versuch (ohne sich in theoretischen Exkursen zu verlieren): Innovation ist dann eine Innovation, wenn die Idee ihre konkrete Anwendung erreicht hat. Kreativität ist  das Finden neuer Lösungen. Kreativität selber kommt an verschiedensten Stellen des Innovationsprozesses zum Einsatz, der gesamte Innovationsprozess ist aber nicht unbedingt immer kreativ.Kribbeln im Kopf

Und welche Rolle spielen digitale Medien dabei? Medien sind Werkzeuge der Kreativität. Sie ermöglichen neue Zugänge zu Ideen, neue Anregungen auf der Lösungssuche zu bestimmten Problemstellungen.

Das würde dann also heißen: Um eine erweiterte Innovationskultur (z. B. im Unternehmen) zu schaffen, bedarf es der Medienkompetenz der Mitarbeitenden und Geschäftsführungen, damit sie diese (neuen) Werkzeuge auch für den Innovationsprozess nutzen können. Also gut, packen wir es an…

Buchtipp: Kribbeln im Kopf von Mario Pricken

Innovationen als Business

Viele Unternehmen gründen sich um eine Innovation herum. Ein neues Produkt, eine neue Anwendung, ein neuer Prozess ist das, was diese Unternehmen von anderen Marktteilnehmern unterscheidet. Es lohnt sich also einen genaueren Blick auf den Ablauf dieser Innovationsprozesse (bis hin zum Markteintritt) zu werfen. Denn von der Grundlogik ist der Ablauf bei innovativen Unternehmensgründungen ähnlich wie bei Innovationsprozessen innerhalb eines Unternehmens.

Innovationen in bestehenden Unternehmen haben den Vorteil, dass man auf bereits etablierte Strukturen und Ressourcen zurückgreifen kann. Das ist allerdings auch ein Nachteil: Man ist nicht mehr ganz so frei z. B. “im Erfinden eines neuen Businessmodells rund um ein innovatives Produkt”.

Utah Entrepreneur ChallangeÜber die einzelnen Schritte bei der Einführung eines innovativen Produkts habe ich sehr plastisch und praxisnah (allerdings in Englisch) in einem Podcast der University of Utah gefunden, in dem Hanko Kiessner, CEO von Packsize LLC seine eigenen Erfahrungen beleuchtet.

Auf dem Weg zu erfolgreichen Innovationen

deckblatt logistikinnovationenDass Innovationen auch in kleinen und mittleren Unternehmen möglich sind, und welche Besonderheiten dabei beachtet werden müssen, zeigt der Artikel “Auf dem Weg zu erfolgreichen Innovationen in kleinen und mittleren Unternehmen am Beispiel der Logistik” von Andea Rohrberg und Dorothea Herrmann auf. Der Artikel ist in einem Konferenzband zum Thema “Logistikinnovationen - Erfolg in einem vernetzten Europa” erschienen.

Insbesondere geht der Artikel auf wichtige Ansatzpunkte für erfolgreiche Innovationenprozesse ein. Zum einen ist das der langfristige Aufbau von Kooperationsbeziehungen mit wissenschaftlichen Einrichtungen und Dienstleistern, die wissenschaftsnah und innovativ arbeiten. Zum anderen muss das Thema gerade in Unternehmen kleinerer und mittlerer Größe zum Thema der Geschäftsführung gemacht werden - sonst bestehen wenig Chancen, dass innovative Ideen auch wirklich im Unternehmen zu Umsetzung kommen.

Der gesamte Artikel findet sich hier zum download >>

Strukturen fuer Innovationen

Innovationen sind immer Teil eines nicht intendierten, ungeplanten Prozesses – da kann man noch soviel Hirnschmalz in ausgeklügelte Organisationsstrukturen legen. So zumindest die These von Dr. Keith Sawyer, der den Blog „Creativity and Innovation“ betreibt. Erleichternd ist es jedoch zu lesen, dass es durchaus Merkmale einer Organisation gibt, die Innovationen unterstützen. Dazu gehören:

  • Spontane Teambildung und –auflösung
  • Dichte soziale Netzwerke
  • Hoher Informationsfluss
  • Durchlässige Grenzen
  • Reduzierte Betonung der top-down Kontrolle.

Ist also all das Bemühen um Austausch, Kooperation, Teambildung und Selbststeuerung im Alltag eines Unternehmens nicht ganz umsonst.

Fundgrube Wissenschaft

Auf der Suche nach Innovationen, bzw. nach Zündfunken für solche, bleibt natürlich die StatiAustauschprozesseon Universität und sonstige wissenschaftliche Einrichtungen nicht aus. Die Frage ist nur, wann Wissenschaft wirklich Wissen schafft? Wenn man mal davon ausgeht, dass allein Erkenntnisse oder auch Informationen keine Produkte und Dienstleistungen hervorbringen, sondern diese erst Ergebnisse komplexer Austauschprozesse sind, dann weiß man auch, dass direkt an die Forschung und Entwicklung in universitären oder außeruniversitären Forschungseinrichtungen weitere (Umsetzungs-)Schritte angeschlossen sein müssen. Bei diesen nächsten Schritten sind dann auch ganz andere Kompetenzen gefordert als die reine Fach- und Spezialkompetenzen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.
Interessante Modelle, wie das funktionieren kann, wurden vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft ausgezeichnet (und entsprechend honoriert). Eine, wie ich finde sehr gute Zusammenfassung dieser Ansätze mit Anregungen für die Praxis findet sich in der Broschüre „Austauschprozesse“, auch zum Download.
Wir sind gespannt, welches der Modelle sich in der Zukunft bewähren wird.

Uebertagbarkeit von Open Source und Open Innovation

Aha, es scheint einen Unterschied zwischen „Open Innovation“ und „Open Source Innovation“ zu geben. Letzteres kommt von dem aus dem Softwarebereich bekannten Phänomen des „Open Source“, von vielen Experten gemeinsam programmierte Anwendungen, deren Code offen und damit veränderbar für jeden ist. „Open Source Innovation“ ist laut den Vortragenden auf dem ITAForum, Prof. Dr. Cornelius Herstatt und Dr. Christina Raasch von der Universität Hamburg-Harburg, noch ein Stück radikaler als „Open Innovation“: Hier geht es nicht „nur“ um die Öffnung des Innovationsprozesses hin zu externen Partnern und die Verwertung von Teilergebnissen und Nebenprodukten aus dem Innovationsprozess, Bei „Open Source Innovation“ muss der zentrale Code offengelegt werden. Für Produkte, die nicht digital sind heißt das dann zum Beispiel Designvorlagen, CAD-Zeichnungen, Schnittstellenbeschreibungen, etc.

Was ist dabei aber der Nutzen für Unternehmen?

Open Source Innovation bietet die Möglichkeit für Unternehmen, auf das Wissen anderer zurück zu greifen, wenn sie selber nicht mehr weiter kommen. Allerdings braucht man zusätzlich die Kompetenz virtuell einer persönlich nicht bekannten Gruppe von Menschen klar zu machen, dass es sich um eine Problemlösung mit Potenzial handelt – inklusive der Einrichtung einer entsprechenden Kommunikationsumgebung wie einer Communityplattform u. ä. Da muss die Problemlösung wirklich nicht anders beschaffbar sein!

Interessant das Beispiel des Mobiltelefons Openmoko Om 2008. Hier scheint die Open Source Entwicklung gleichzeitig einen Markt geschaffen zu haben: „Die Beteiligten wollen es selber haben“ – ist das evtl. auch interessant für kleine und mittlere Unternehmen, entsprechende Communities abzuklappern und als Produzent einzusteigen? Das physische Produkt hat dann natürlich seinen Preis, Markt inklusive.

Da kann sich aber jede/r selber ein Bild auf der Webseite www.open-innovation-projects.org machen, einer umfangreiche Sammlung von Open Source Innovationen.

Was mich noch nicht ganz überzeugt hat sind die Business-Modelle um diese Projekte, da scheint es noch wenig schlüssiges zu geben.

Open Source Innovation also vor allem als Ideenlieferant? Hm, geht das Konzept wirklich nachhaltig auf?

PS: Warum im Vortragstitel dann nur „Open Innovation“ genannt ist, hat mir nicht eingeleuchtet. Überhaupt scheinen auch die Experten diesen Begriff immer wieder als Synonym mit dem Open Source-Phänomen zu verwenden – obwohl es ja offensichtlich Unterschiede gibt.

Open Ministerium

Das ist interessant: jetzt knöpft sich auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (bmbf) das Thema “Open Innovation” vor. Am 13/14. November in Berlin auf dem ITAForum, Session 2. Anregungen sollen unter anderem aus partizipativen Verfahren in demokratischen Staaten gezogen werden.

Da werde ich doch mal hereinschnuppern. Was mich ja vor allem interessiert sind Erfahrungsberichte. Ob da allerdings so viel schon vorliegt? Ich bin gespannt und werde berichten…

Ach ja, coming soon: Ein Interview mit einem der Gründer von Babbel, einer neuen Plattform zum Sprachenlernen.

Die Spur ins xing-Forum

Ich habe den Hinweis auf Aktivitäten zu „Open Innovation“ in der Plattform xing mal unter die Lupe genommen. Meine Leitfragen waren dabei: Wie sehen die Aktivitäten konkret aus und welche Potenziale für einen Innovationsprozess stecken darin?

Und das habe ich gefunden: Zunächst ein scheinbar ganz normales Forum, in dem sich einzelne Personen namentlich (! - keiner hat sich hinter einem Nick-Name versteckt) zum Thema „Verschlankung von Prozessen im Unternehmen – Lean Thinking“ austauschen. Inspirierend waren die zahlreichen Beispiele, die die Beteiligten miteinander austauschen – Lernen aus der Praxis ist also gegeben. Auch einige Gedanken zu Management und Führung finden sich.

Schnell kam mir dann aber auch die Frage in den Kopf: Was passiert mit solch einem Austausch unter Unbekannten, wenn es dann konkreter werden soll? In diesem Diskussionsstrang habe ich eine erste anschauliche Antwort gefunden: Es wird schwierig! Spätestens bei den ersten Schritten hin zu einer Umsetzung wird es in der Beteiligung dünn.

Kommt es also bei Open Innovation darauf an, klar die Phasen voneinander zu trennen in solche, in denen ein gemeinsames Brainstormen und Erfahrungsaustausch für alle einen Sinn macht und solche, die eher der konkreten Umsetzung dienen und dann exklusiv im eigenen Unternehmen „bearbeitet“ werden?

Dementsprechend bin ich nicht der Meinung von Dirk, dass „Open Innovation“ gleich „Open Source“ gleich „jeder kann die Früchte ernten“ ist, sondern dass es bei Open Innovation im Sinne Chesbrough darum geht, spezielle Öffnungsphasen im Innovationsprozess vorzusehen, der Gesamtprozess aber dennoch sehr wohl proprietär gesteuert wird.

Die Potenziale von (xing-)Foren liegen wohl im erweiterten Erfahrungsaustausch bei der Suche nach Problemlösungen…oder irre ich mich da?

Ein Stichwort das ich bei dem Spaziergang mitgenommen habe: „Crowdsourcing“ – eine weiter Spur zum Thema?